1 Einschätzung

Die besondere Angebotsstruktur der Hessischen Heimvolkshochschule Akademie Burg Fürsteneck e. V. passt nicht in allen Punkten genau zu den Darstellungen und Befunden des Weiterbildungsberichtes. Trotzdem sehen wir die Ergebnisse und Empfehlungen als unterstützend und hilfreich an.

Die Handlungsempfehlungen in Bezug auf die generelle Finanzierung durch öffentliche Mittelgeber halten wir für sehr begrüßenswert. Langfristig angelegte Regelfördersätze zur Personalförderung oder einrichtungsbezogene Grundfinanzierungen zur Gewährleistung einer institutionellen Vielfalt und einer regionalen Bildungsinfrastruktur sehen wir gerade auch für den ländlichen Raum als grundlegend und wichtig an. Projektmittel können nach unserer Auffassung lediglich investitionsintensive Vorhaben wie z. B. „Strukturwandel hin zu mehr Digitalisierung“ voranbringen oder kurzfristig der Stärkung thematischer Schwerpunktsetzungen wie z. B. der Extremismusprävention dienen.

2 Was fällt auf? Was kommt zu kurz?

Die Unvollständigkeit der Datenlage führt zu wenig konkreten Ergebnissen. Fokussiert werden im Weiterbildungsbericht eher Arbeitsweisen bzw. strukturelle Weichenstellungen als Handlungsempfehlungen für Bildungsanbieter. Der Bildungsurlaub als wesentliches Produkt wird im Bericht nicht statistisch erfasst; hier findet ausschließlich eine Auseinandersetzung im Hinblick auf die Auswirkungen von Digitalisierung und Coronapandemie statt, welche die Akademie Burg Fürsteneck als Erfahrung bestätigen kann.

Der beschriebene allgemeine Trend zu kürzeren Veranstaltungen ist völlig gegenläufig zu den Angebotsformaten und Erfahrungen der Akademie Burg Fürsteneck. Aktuell liegt die Aufenthaltsdauer der Seminarteilnehmenden auf der Burg bei durchschnittlich 4,4 Tagen, die Tendenz ist steigend. Besonders stark nachgefragt sind neben den Bildungsurlauben lange Großkurse in der musisch-kulturellen Bildung.

Wenig Berücksichtigung findet das Stadt-Land-Gefälle in der Diskussion, umso mehr sehen wir die Handlungsempfehlung der Stärkung des ländlichen Raums als wichtiges politisches Signal.

Die Rückkehr zu Präsenzformaten nach der Pandemie können wir aus unserer Erfahrung bestätigen. Es hat sich gezeigt, dass nur bestimmte Angebote im digitalen Raum tragen und dass hierfür sowohl eine spezifische technische Ausstattung, ein spezifisches Methodenwissen der Dozierenden sowie ein angepasstes didaktisches Konzept zur Anwendung gebracht werden müssen, damit die Formate gelingen. Digitale und hybride Formate werden als Angebotsergänzung und zur Zielgruppenerweiterung bzw. zur Flexibilisierung der Teilnahmemöglichkeiten weiter von großer Bedeutung bleiben und auch das Programm der Akademie Burg Fürsteneck wird hier in den kommenden Jahren entsprechende Ergänzungen finden.

Die Zielgruppenbeschreibung des Weiterbildungsberichts ist für die Akademie Burg Fürsteneck passgenau (deutsch, mittleres Alter, Akademiker*innen, Vollbeschäftigung, geringer Migrationsanteil). Auch die starke Nachfrage nach der beruflichen Bildung neben der kulturellen Bildung können wir aus unserer Erfahrung bestätigen. Einen leichten Rückgang der Beteiligung insgesamt bzw. der Kundennachfrage können wir nicht bilanzieren. Die Buchungslage ist unverändert sehr gut; die Auswirkungen der Coronapandemie waren lediglich in den ersten Monaten des Jahres 2022 noch spürbar. Aktuell bereitet uns die Preisentwicklung bzw. die Energiekrise Sorge, hier können wir noch nicht absehen, welche Auswirkungen wir mittel- und langfristig spüren werden. Die Lage in Osthessen bzw. in der Region Fulda bringt viele der Faktoren für eine gute Weiterbildungsbeteiligung mit: eine gute Sozial- und Wirtschaftsstruktur sowie die gelingende Zusammenarbeit zwischen den Anbietern. Gerade bei Letzterem leistet die Akademie Burg Fürsteneck zunehmend Vernetzungsarbeit wie z. B. am runden Tisch der Akteurinnen und Akteure politischer Bildung oder in den bestehenden Weiterbildungspakt-Projekten.

Die genannten Befunde im Hinblick auf den Weiterbildungspakt können wir bestätigen, wir sehen den hessischen Weiterbildungspakt als gelungen und zukunftsweisend an. Die Folgen der Pandemie können wir nicht vollumfänglich einschätzen, diese haben zu Verzögerungen in den aktuellen Weiterbildungspakt-Projekten geführt.

Die Akademie Burg Fürsteneck beteiligt sich an thematischen Schwerpunktsetzungen des Förderprogramms im Programmbereich gesellschaftspolitische Bildung. Kooperationen werden im Bereich der politischen Bildung darüber hinaus immer wichtiger und von uns in der Arbeit fokussiert, auch der Einbezug von Gedenkstätten findet in der täglichen Arbeit statt.

3 Bedeutung der Ergebnisse und Empfehlungen

Für die Akademie Burg Fürsteneck ist der Weiterbildungsbericht eine hilfreiche Reflexionsmöglichkeit der eigenen Arbeit. Wo sehen wir uns bestärkt, wo sehen wir unterschiedliche Weichenstellungen und Entwicklungen? Welche Besonderheiten machen die Bildungsangebote auf Burg Fürsteneck aus?

Des Weiteren sehen wir unsere Arbeit durch den Bericht bestärkt in Bezug auf die (regionalen) Vernetzungs- und Kooperationsthemen. Darüber hinaus sehen wir eine Stärkung von programmbereichsübergreifenden Inhalten und Arbeitsformen in der Verzahnung der kulturellen, beruflichen und der gesellschaftspolitischen Bildung.

Die Entwicklung und Umsetzung digitaler Ergänzungsangebote werden wir, wie die Digitalisierung der Akademie, für die Zukunft weiter vorantreiben.

4 Schlussfolgerungen und Perspektiven

Die wichtigste Schlussfolgerung sehen wir in der Sicherstellung und dem Ausbau der Finanzierung der Weiterbildung in Hessen im Zusammenspiel von „institutioneller“ Förderung und Projektförderung, in der Weiterentwicklung und in der im zweiten Weiterbildungspakt eingeführten Dynamisierung der finanziellen Förderung.

Darüber hinaus wünschen wir uns eine erhöhte Förderung im Bereich Wissenstransfer bzw. Trägerkooperationen sowie mehr finanzielle Mittel für eine Förderung der digitalen Infrastruktur in den Bildungseinrichtungen des Landes. Wünschenswert wäre aus unserer Sicht die Einführung von Sonderprogrammen zur Förderung von Einrichtungen im ländlichen Raum, eine Flexibilisierung von Angebotsformaten und mehr Investition in die Zielgruppenansprache. Das Marketing vonseiten des Landes für die Nutzung des Anspruchs auf Bildungsurlaub sollte gerne weiter ausgebaut werden. Für die Novellierung des Hessischen Weiterbildungsgesetzes wünschen wir uns insbesondere, den Finanzierungs- und Flexibilisierungsgedanken aufzugreifen.

Autoren

Hartmut Piekatz, Akademieleiter der Hessischen Heimvolkshochschule Akademie Burg Fürsteneck e. V. und Mitglied im Vorstand des Landeskuratoriums für Weiterbildung und lebensbegleitendes Lernen.

Matthias Feuerstein, Programmbereichsleiter „Gesellschaft“ der Hessischen Heimvolkshochschule Akademie Burg Fürsteneck e. V.

Review

Dieser Beitrag wurde nach der qualitativen Prüfung durch die Redaktionskonferenz am 10.11.2022 zur Veröffentlichung angenommen.

This article was accepted for publication following the editorial meeting on the 10th of November 2022.